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AutismusGlossar

Sensorische Verarbeitung – Wahrnehmung erklärt

Sensorische Verarbeitung bezeichnet den Vorgang, mit dem das Nervensystem Sinnesreize aufnimmt, ordnet, gewichtet und in eine sinnvolle Wahrnehmung übersetzt. Dazu zählen nicht nur die klassischen fünf Sinne, sondern auch der Gleichgewichtssinn und die Eigenwahrnehmung des Körpers. Eine gut funktionierende sensorische Verarbeitung sorgt dafür, dass wichtige Reize beachtet und unwichtige in den Hintergrund gerückt werden. Sind diese Prozesse anders organisiert, können Reize zu stark, zu schwach oder verzerrt wahrgenommen werden. Solche Besonderheiten sind ein zentrales Merkmal des Autismus-Spektrums und treten auch bei ADHS auf. Die sensorische Verarbeitung ist damit ein wichtiger Begriff, um individuelle Wahrnehmungsmuster zu verstehen.

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Die Sinneskanäle der sensorischen Verarbeitung

Häufig denkt man bei Wahrnehmung nur an Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Tatsächlich umfasst die sensorische Verarbeitung weitere Kanäle, die im Alltag oft unbemerkt arbeiten. Der Gleichgewichtssinn im Innenohr informiert über Lage und Bewegung des Körpers im Raum. Die sogenannte Tiefenwahrnehmung meldet, in welcher Position sich Arme, Beine und Gelenke befinden, und ermöglicht koordinierte Bewegungen. Hinzu kommt die Körperinnenwahrnehmung, die Signale wie Hunger, Durst oder Herzschlag erfasst. Bei Menschen aus dem Autismus-Spektrum oder mit ADHS können einzelne dieser Kanäle über- oder unterempfindlich reagieren, was die Wahrnehmung im Alltag spürbar verändert.

Beteiligte Wahrnehmungssysteme

  • Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten als die fünf klassischen Sinne
  • Gleichgewichtssinn: meldet Lage, Drehung und Bewegung des Körpers
  • Tiefenwahrnehmung: informiert über die Stellung von Muskeln und Gelenken
  • Körperinnenwahrnehmung: erfasst Signale wie Hunger, Durst und Herzschlag
  • Zusammenspiel: Erst die Kombination aller Kanäle ergibt ein stimmiges Gesamtbild

Besonderheiten der sensorischen Verarbeitung bei Autismus und ADHS

Eine vom Durchschnitt abweichende sensorische Verarbeitung zeigt sich in zwei Richtungen. Bei einer Überempfindlichkeit, auch Hypersensibilität genannt, werden Reize als zu stark oder unangenehm erlebt, etwa wenn ein normales Stimmengewirr bereits als ohrenbetäubend empfunden wird. Bei einer Unterempfindlichkeit, der Hyposensibilität, werden Reize hingegen abgeschwächt wahrgenommen, sodass intensive Eindrücke gesucht werden. Beide Muster können bei derselben Person und sogar beim selben Sinneskanal je nach Situation wechseln. Im Diagnosehandbuch DSM-5 gelten sensorische Besonderheiten als ein offizielles Merkmal der Autismus-Spektrum-Störung. Bei einer kombinierten Veranlagung von Autismus und ADHS, die als AuDHD/AuDHS bezeichnet wird, sind solche Wahrnehmungsmuster besonders vielschichtig. Eine differenzierte Diagnostik, wie sie auch im Raum Ulm angeboten wird, ordnet diese Beobachtungen fachlich ein.

Wie sich Besonderheiten äußern können

  • Überempfindlichkeit: alltägliche Geräusche, Licht oder Gerüche wirken überwältigend
  • Unterempfindlichkeit: intensive Reize wie Druck oder Bewegung werden bewusst gesucht
  • Wechselhaftigkeit: dieselbe Person reagiert je nach Tag unterschiedlich empfindlich
  • Reizsuche: bestimmte Bewegungen oder Berührungen wirken beruhigend und ordnend
  • Filterung: nebensächliche Reize lassen sich schwerer in den Hintergrund rücken

Häufige Fragen zu Sensorische Verarbeitung

Was bedeutet sensorische Verarbeitung?

Sensorische Verarbeitung beschreibt, wie das Nervensystem Sinnesreize aufnimmt, ordnet und zu einer sinnvollen Wahrnehmung zusammensetzt. Dabei wird laufend entschieden, welche Reize wichtig sind und welche im Hintergrund bleiben dürfen. Neben den fünf klassischen Sinnen gehören auch der Gleichgewichtssinn und die Körperwahrnehmung dazu. Funktioniert dieser Prozess gut, fügen sich die vielen Eindrücke zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Wie hängt die sensorische Verarbeitung mit Autismus zusammen?

Im Diagnosehandbuch DSM-5 gelten Besonderheiten der sensorischen Verarbeitung als ein offizielles Merkmal der Autismus-Spektrum-Störung. Reize können dabei sowohl zu stark als auch zu schwach wahrgenommen werden. Auch bei ADHS treten solche Wahrnehmungsmuster auf, etwa durch eine veränderte Reizfilterung. Bei einer kombinierten Veranlagung, die als AuDHD bezeichnet wird, können sich die Besonderheiten überlagern.

Worin unterscheiden sich Überempfindlichkeit und Unterempfindlichkeit?

Bei einer Überempfindlichkeit werden Reize als zu stark erlebt, sodass etwa normale Geräusche oder Licht bereits als belastend empfunden werden. Bei einer Unterempfindlichkeit werden Reize abgeschwächt wahrgenommen, weshalb intensive Eindrücke wie Druck oder Bewegung gezielt gesucht werden. Beide Muster können bei derselben Person vorkommen und je nach Tagesform und Sinneskanal wechseln. Wie ausgeprägt sie sind, lässt sich am besten im Rahmen einer fachlichen Abklärung einordnen.

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