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Autismus & AuDHS

ADHS und Autismus-Spektrum-Störung sind neurobiologisch eng verwandt und treten häufig gemeinsam auf. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie sich Autismus im Erwachsenenalter zeigen kann, warum die Diagnostik oft erst spät erfolgt – und was AuDHS, das gemeinsame Auftreten beider Bereiche, fachlich wie persönlich so besonders macht.

Autismus-Spektrum-Störung im Erwachsenenalter

Wie sich Autismus im Alltag anfühlt

Viele erwachsene Autistinnen und Autisten beschreiben ihr Erleben nicht über die klassischen Merkmale, die man aus Lehrbüchern kennt, sondern über ein ständiges Gefühl des Andersseins, ohne genau benennen zu können, woran das liegt. Typisch ist eine tiefe Erschöpfung nach sozialen Situationen, die nach außen vielleicht unauffällig verlaufen sind, innerlich aber enorme Energie gekostet haben.

Viele Betroffene – insbesondere Frauen und hochkompensierte Personen – haben über Jahre gelernt, sich anzupassen: Verhalten anderer genau zu beobachten und zu imitieren, Mimik und Gestik bewusst zu steuern, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, um nicht negativ aufzufallen. Fachlich spricht man hier von Masking oder Camouflaging. Das kann nach außen sehr gut funktionieren – hat aber seinen Preis: die dauerhafte Selbstüberforderung führt nicht selten zu Angststörungen, Depressionen oder einem Gefühl tiefer Erschöpfung, ohne dass die eigentliche Ursache erkannt wird.

Die ständige Übersetzungsarbeit

Soziale Situationen werden nicht intuitiv erfasst, sondern bewusst analysiert und „übersetzt“ – was auf Dauer erschöpft, auch wenn es nach außen mühelos wirkt.

Sensorische Reizverarbeitung

Geräusche, Licht oder Berührungen können deutlich intensiver erlebt werden als von anderen – oder, seltener, auch weniger intensiv. Beides ist anstrengend, wenn es nicht eingeordnet werden kann.

Das Gefühl, nirgends ganz dazuzugehören

Trotz funktionierender Beziehungen bleibt oft ein Gefühl von Distanz – als stünde man neben der eigenen sozialen Welt, statt mittendrin.

Erschöpfung statt Erklärung

Ohne Diagnose wird die eigene Erschöpfung oft fehlgedeutet – als Überempfindlichkeit, Schwäche oder Persönlichkeitszug, statt als nachvollziehbare Folge jahrelanger Anpassung.

Halt durch Routinen

Feste Abläufe und Vorhersehbarkeit geben Sicherheit in einer Welt, die oft unübersichtlich und überfordernd wirkt. Ungeplante Veränderungen können dagegen sehr belastend sein – auch wenn sie objektiv klein erscheinen.

Tiefe statt Breite

Ausgeprägte Spezialinteressen ermöglichen intensive Freude und echte Expertise – werden im Alltag aber oft als „Marotte“ abgetan, statt als das erkannt zu werden, was sie sind: eine wichtige Ressource.

Diagnostische Herausforderung

Warum Autismus bei Erwachsenen oft spät erkannt wird

Im Erwachsenenalter zeigt sich Autismus selten so, wie es gängige Vorstellungen erwarten lassen. Stattdessen präsentieren sich die Symptome oft vielfältiger und diffuser und werden aus Sicht der klassischen Erwachsenendiagnostik häufig als Persönlichkeitsstörung, affektive Störung oder Zwangsstörung eingeordnet – eine korrekte Zuordnung zur Autismus-Spektrum-Störung wird dadurch erschwert.

Besonders relevant ist die Abgrenzung zu bestimmten Persönlichkeitsstörungen, da manche Störungsbilder oberflächlich ähnlich wirken können – etwa in Schwierigkeiten mit sozialer Nähe oder emotionaler Regulation – beruhen aber auf einer völlig anderen psychischen Struktur und benötigen entsprechend unterschiedliche Unterstützung.

Hinzu kommt: Frauen und stark kompensierende Personen werden in der Diagnostik überdurchschnittlich oft übersehen, da viele Verfahren ursprünglich an männlichen Stichproben entwickelt wurden und typisch weibliche Ausdrucksformen von Autismus seltener abbilden. Eine sorgfältige, auf das Erwachsenenalter zugeschnittene Diagnostik – die auch Maskierungsstrategien aktiv mit erfasst – ist daher unerlässlich, um diese Fälle nicht zu übersehen.

AuDHS – wenn beides zusammenkommt
Wenn Autismus und ADHS gemeinsam auftreten

AuDHS: mehr als die Summe von Autismus und ADHS

AuDHS beschreibt das gemeinsame Vorliegen von Autismus und ADHS – ein Muster, das deutlich häufiger vorkommt, als lange angenommen wurde. Entscheidend ist dabei: AuDHS ist nicht einfach „Autismus plus ADHS“. Aus dem Zusammenspiel beider Bereiche entsteht ein eigenes Erlebensmuster, das sich oft gerade durch seine inneren Widersprüche auszeichnet.

Viele Menschen mit AuDHS berichten, dass sie sich in keiner der beiden Einzelbeschreibungen ganz wiederfinden – und genau das ist typisch. Wo Autismus nach Struktur, Routine und Vorhersehbarkeit verlangt, drängt der ADHS-Anteil oft nach Abwechslung, Spontaneität und neuen Reizen. Es ist, als würden im selben Moment Gaspedal und Bremse betätigt – ein dauerhafter innerer Balanceakt, der von außen oft unverständlich wirkt, von innen aber sehr real ist.

  • Bedürfnis nach Routine & Vorhersehbarkeit vs. Verlangen nach Abwechslung & neuen Reizen
  • Reizüberempfindlichkeit & Rückzugsbedürfnis vs. Reizsuche & Stimulationsbedarf
  • Strukturiertes, geplantes Vorgehen vs. Impulsivität & spontanes Handeln
Diagnostische Herausforderung

Warum AuDHS besonders schwer zu erkennen ist

Die zentrale Schwierigkeit bei AuDHS liegt genau in diesen Widersprüchen: Autismus und ADHS können sich gegenseitig überlagern und sogar maskieren. Eine ausgeprägte Reizempfindlichkeit kann beispielsweise dazu führen, dass impulsives, unkonzentriertes Verhalten zunächst gar nicht auffällt, weil die betroffene Person sich aus Selbstschutz stark zurückzieht. Umgekehrt kann eine ausgeprägte ADHS-Symptomatik autistische Züge überdecken, weil das äußere Erscheinungsbild von Unruhe und Ablenkbarkeit dominiert wird.

Hinzu kommt, dass beide Störungsbilder lange als sich gegenseitig ausschließend galten – erst seit dem DSM-5 ist die gleichzeitige Diagnose überhaupt vorgesehen. Viele Diagnostiker sind dadurch historisch darauf trainiert, sich für eine Erklärung zu entscheiden, statt beide Anteile differenziert zu erfassen. Das Ergebnis: Patientinnen und Patienten mit AuDHS erhalten häufig zunächst nur eine Teildiagnose – oder werden über Jahre mit wechselnden, nicht ganz passenden Etiketten konfrontiert, ohne dass das vollständige Bild erkannt wird.

Eine sorgfältige AuDHS-Diagnostik braucht deshalb beide Perspektiven gleichzeitig: ein strukturiertes Interview zu autistischen Merkmalen UND zu ADHS-Symptomen, ergänzt durch passende Fragebögen und eine neuropsychologische Testung – mit dem Ziel, das vollständige, oft widersprüchlich wirkende Profil sichtbar zu machen, statt es vorzeitig in eine einzelne Kategorie zu pressen.

Erkennen Sie sich in vielem wieder – sei es bei Autismus, ADHS oder beidem zusammen? Lassen Sie uns gemeinsam Klarheit gewinnen.

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