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BegleiterkrankungenGlossar

ADHS und Sucht – Selbstmedikation & Suchtrisiko

ADHS und Sucht stehen in einem wissenschaftlich gut belegten Zusammenhang. Menschen mit ADHS haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, eine Suchterkrankung zu entwickeln. Hinter diesem Zusammenhang steckt häufig ein Versuch der Selbstmedikation: Substanzen wie Alkohol, Cannabis oder Nikotin werden unbewusst eingesetzt, um innere Unruhe zu dämpfen, die Konzentration zu steigern oder Reizüberflutung abzumildern. Eine ADHS-Diagnostik kann diesen Zusammenhang aufdecken, und eine gezielte Behandlung der ADHS senkt nachweislich das Suchtrisiko.

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Warum ADHS das Suchtrisiko erhöht

Das erhöhte Suchtrisiko bei ADHS hat mehrere Ursachen. Erstens begünstigt das ADHS-typische Belohnungssystem impulsives Verhalten: Befriedigung soll sofort erfolgen, nicht erst in der Zukunft. Das macht Betroffene anfälliger für suchterzeugende Reize. Zweitens ist das Dopaminsystem bei ADHS unteraktiv. Substanzen, die Dopamin freisetzen, werden unbewusst als Ausgleich eingesetzt. Drittens dient Substanzkonsum bei ADHS häufig der Selbstmedikation: Alkohol beruhigt die innere Unruhe, Cannabis dämpft die Reizüberflutung, Nikotin steigert kurzfristig die Konzentration. Viele Betroffene verstehen diese Zusammenhänge erst nach einer ADHS-Diagnostik. Neben stoffgebundenen Süchten spielen auch Verhaltenssüchte wie exzessives Gaming, Social Media oder Glücksspiel eine zunehmende Rolle.

Substanzen und Verhaltensweisen mit erhöhtem Risiko

  • Alkohol: Wird häufig zur Beruhigung der inneren Unruhe und als Einschlafhilfe eingesetzt
  • Cannabis: Von vielen Betroffenen als Selbstmedikation bei Reizüberflutung und Gedankenkarussell genutzt
  • Nikotin: Stimuliert kurzfristig die Konzentration und führt bei ADHS-Betroffenen zu besonders hoher Abhängigkeit
  • Verhaltenssüchte: Gaming, Social Media und Glücksspiel, begünstigt durch impulsives Belohnungsverhalten
  • Illegale Stimulanzien: Missbrauch von Substanzen zur Leistungssteigerung bei unerkannter ADHS

ADHS-Behandlung und Suchtprävention

Eine ADHS-Diagnostik kann bei Menschen mit Suchtproblemen ein wichtiger Schritt sein. Wenn die ADHS erkannt und behandelt wird, sinkt häufig der Drang zur Selbstmedikation. Die Diagnostik sollte bei ADHS mit Suchtproblematik wertungsfrei und offen erfolgen. Im Raum Ulm können Psychologische Psychotherapeuten und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie eine differenzierte ADHS-Diagnostik durchführen und dabei auch Begleiterkrankungen wie Sucht berücksichtigen. Wichtig ist, dass ADHS und Sucht parallel behandelt werden, da die Behandlung nur einer der beiden Störungen in der Regel nicht ausreicht.

Bedeutung der ADHS-Behandlung bei Suchtgefährdung

  • ADHS-Behandlung senkt nachweislich das Suchtrisiko und kann bei bestehender Sucht unterstützend wirken
  • Atomoxetin ist bei ADHS mit Suchtproblematik oft besser geeignet als Stimulanzien
  • Verhaltenstherapie hilft, Selbstmedikationsmuster zu erkennen und alternative Strategien zu erlernen
  • Parallele Behandlung: Sucht und ADHS müssen gleichzeitig behandelt werden, eine allein reicht nicht
  • Wertungsfreie Diagnostik: Für Betroffene mit Suchtproblematik ist ein offener, nicht wertender Umgang besonders wichtig

Häufige Fragen zu ADHS und Sucht

Macht ADHS-Medikation abhängig?

Bei korrekter Anwendung unter ärztlicher Begleitung ist das Abhängigkeitsrisiko sehr gering. Studien zeigen sogar, dass die Behandlung mit ADHS-Medikamenten das Suchtrisiko insgesamt senkt, weil die Selbstmedikation mit anderen Substanzen abnimmt. Wichtig ist, die Medikamente ausschließlich nach ärztlicher Verschreibung und in der verordneten Dosierung einzunehmen.

Kann man eine ADHS-Diagnostik durchführen lassen, wenn Suchtprobleme bestehen?

Ja, das ist möglich und häufig sogar besonders wichtig. Eine ADHS-Diagnostik kann helfen zu verstehen, warum Suchtmittel als Selbstmedikation eingesetzt wurden. Psychologische Psychotherapeuten und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie gehen mit dem Thema Sucht offen und ohne Wertung um. Die Diagnose orientiert sich an der Gesamtsituation.

Was bedeutet Selbstmedikation bei ADHS?

Selbstmedikation bei ADHS bezeichnet den unbewussten Einsatz von Substanzen, um ADHS-Symptome zu lindern, ohne zu wissen, dass ADHS die eigentliche Ursache ist. Nikotin steigert kurzfristig die Konzentration, Alkohol beruhigt die innere Unruhe, Cannabis dämpft die Reizüberflutung. Wenn Betroffene dann eine ADHS-Diagnose erhalten, verstehen viele erstmals, warum sie diese Substanzen immer als hilfreich empfunden haben. Mit gezielter Behandlung sinkt der Bedarf an Selbstmedikation.

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